Wenn ich an meine Kindheit in den Hochanden denke, sehe ich die weiten Hochebenen vor mir, den unendlich blauen Himmel und die schneebedeckten Gipfel, die schweigend über allem wachen. Ich bin Illaripa Lupa Hake, aufgewachsen zwischen bolivianischen und peruanischen Traditionen, und seit meiner frühen Jugend war mir klar: Es gibt Menschen, die zwischen den Welten wandeln. Menschen, die sehen, was andere nicht sehen. In meiner Tradition nennen wir sie Paqos.
Heute teile ich dieses uralte Wissen der andinen Tradition mit Menschen in Europa – und immer wieder begegne ich der Frage: Was ist eigentlich ein Paqo? Wer sind diese geheimnisvollen Heiler der Anden, von denen man manchmal liest? In diesem Artikel möchte ich dir erklären, was ein Paqo wirklich ist, woher dieses Wissen kommt und wie ich meinen eigenen Weg als Paqo gefunden habe.
Was bedeutet „Paqo“ auf Quechua?
Das Wort Paqo stammt aus dem Quechua, der Sprache der Andenvölker, und lässt sich am besten mit „Energieheiler“ oder „spiritueller Praktizierender“ übersetzen. Ein Paqo ist jemand, der die lebendige Energie der Welt – das sogenannte Kawsay Pacha, den Kosmos der lebendigen Energie – wahrnehmen und mit ihr arbeiten kann. Es geht nicht um Magie oder übernatürliche Kräfte, sondern um ein tiefes Verständnis der Welt als Energiefeld.
In der andinen Tradition existieren verschiedene Ebenen des Paqo-Seins. Am Anfang steht der Pampa Mesayoq, der mit den Kräften der Erde, der Natur und der lokalen Geister arbeitet. Auf einer höheren Ebene findet sich der Alto Mesayoq, der direkten Kontakt mit den Apus – den Berggeistern und höheren Wesen – aufnehmen kann. Beide Formen der Paqo-Arbeit haben ihren Ursprung in jahrtausendealten Überlieferungen der Andenvölker.
Der Unterschied zwischen Paqo und Schamane
Viele Menschen fragen mich, ob ein Paqo dasselbe ist wie ein Schamane. Die Antwort ist: nicht ganz. Der Begriff „Schamane“ kommt ursprünglich aus Sibirien und wird heute oft als allgemeiner Begriff für indigene Heiler weltweit verwendet. Ein Paqo hingegen ist spezifisch in der andinen Tradition verwurzelt und arbeitet nach einem eigenen kosmologischen System.
Während schamanische Traditionen weltweit sehr unterschiedliche Methoden kennen – Trancezustände, Seelenreisen, Pflanzenmedizin – fokussiert sich die Paqo-Arbeit auf das direkte Wahrnehmen und Transformieren von Kawsay, der lebendigen Energie. Es geht um Ayni, das Prinzip des reziproken Austauschs, um Hucha Mikhuy – das Verdauen schwerer Energie – und um die Pflege der Verbindung mit Pachamama, der Erde, und den Apus, den mächtigen Berggeistern der Anden.
Wie wird man ein Paqo?
In der andinen Tradition gibt es verschiedene Wege, Paqo zu werden. Manche werden durch eine Berufung gerufen – durch einen Blitzschlag, eine schwere Krankheit oder eine tiefe Visionen. Andere wachsen in Familien auf, in denen dieses Wissen von Generation zu Generation weitergegeben wird. Wieder andere werden von einem erfahrenen Paqo ausgewählt und über Jahre hinweg unterrichtet.
Was alle Wege gemeinsam haben: Der angehende Paqo lernt zunächst, sein eigenes Energiefeld zu reinigen und zu stärken. Er entwickelt die Fähigkeit, Hucha – dichte, schwere Energie – wahrzunehmen und durch seinen qosqo, das energetische Zentrum des Bauchs, zu transformieren. Er lernt die Kunst des Saminchakuy, der Reinigung durch verfeinerte, leichte Energie. Und er versteht, wie man eine Despacho-Zeremonie – ein heiliges Dankopfer an Pachamama – korrekt durchführt.

Was macht ein Paqo heute?
In der modernen Welt hat die Paqo-Arbeit eine neue Form angenommen. Viele Paqos arbeiten heute nicht mehr ausschließlich in ihren Heimatgemeinden, sondern tragen das Wissen der andinen Tradition in die Welt hinaus. Die Grundprinzipien bleiben dabei dieselben: Ayni – der heilige Ausgleich – bleibt das Fundament jeder Arbeit. Die Verbindung mit Pachamama und den Apus bleibt zentral. Und die Werkzeuge – Hucha Mikhuy, Saminchakuy, Despacho – bleiben dieselben.
Was sich ändert, ist das Umfeld. Menschen in Europa leiden nicht weniger unter Energieblockaden, emotionalen Lasten und dem Gefühl, von ihrer eigenen Essenz abgeschnitten zu sein, als Menschen in den Anden. Die Ursachen mögen andere sein, aber das Prinzip der energetischen Heilung funktioniert überall auf der Welt. Denn Kawsay – die lebendige Energie – ist universal.
Mein persönlicher Weg als Illaripa
Ich wurde nicht als Paqo geboren – zumindest nicht in dem Sinne, dass mir jemand gesagt hätte: „Du wirst einmal Heilerin.“ Aber die Zeichen waren immer da. Als Kind spürte ich die Energie von Orten, bevor ich sie betrat. Ich sah die Trauer in Menschen, auch wenn sie lächelten. Ich fühlte die Verbindung mit den Bergen, mit Pachamama, mit dem, was größer ist als wir.
Meine Ausbildung begann mit meiner eigenen Heilung. Ich musste zuerst meine eigene Hucha – meine eigenen schweren Energien, alten Wunden und ererbten Muster – transformieren, bevor ich für andere arbeiten konnte. Diesen Weg der Reinigung, der Verbindung und der Rückbesinnung auf das Wesentliche möchte ich mit dir teilen. Nicht als Expertin, die von oben herab lehrt, sondern als jemand, der denselben Weg gegangen ist und weiß, wie transformativ diese Arbeit sein kann.
Die andine Tradition lehrt uns, dass wir alle Paqos in unserem Innersten sind – alle in der Lage, die lebendige Energie der Welt zu spüren und mit ihr im Gleichgewicht zu leben. Was wir verloren haben, können wir wiederfinden. Was wir vergessen haben, können wir erinnern. Das ist das Geschenk, das mir diese Tradition gegeben hat – und das ich nun weitergeben möchte.
Wenn dich dieser Weg anspricht, wenn du spürst, dass da mehr sein könnte – eine tiefere Verbindung, ein klareres Energiefeld, ein Leben mehr in Ayni – dann lade ich dich ein, mehr zu erfahren. In meiner schamanischen Ausbildung in Energiemedizin verbinden wir das uralte Wissen der andinen Tradition mit dem, was du als Mensch im 21. Jahrhundert brauchst.
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